Die Grünen/Bündnis’90 fordern 0,0 Promille am Steuer

Die Grünen/Bündnis’90 fordern, dass Autofahrer keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen haben dürfen. Die derzeitige Grenze von 0,5 Promille sind ihnen noch zu hoch – die Grünen fordern 0,0 Promille. Ist das sinnvoll oder wieder nur ein weiterer Vorstoß der Verbotspolitik unserer Gesundheitstaliban?

Im Grunde hört sich diese Forderung vernünftig an, wenn man den Statistiken entnimmt, wieviele Unfälle unter Alkoholeinfluss passieren. Aber wieviele Unfälle passieren eigentlich unter Alkoholeinfluss von 0,5 Promille abwärts? Sinn würde ein Verbot machen, wenn in dem bisher erlaubten Bereich die meisten Unfälle geschehen. Siedeln sich die Unfälle oberhalb des erlaubten an, ist eine weitere Verschärfung unsinnig. Denn diejenigen, die sich an die bestehende Regelung nicht halten, werden dies auch zukünftig nicht tun. Diejenigen, die sich bereits jetzt daran halten, werden unnötig kriminalisiert!

Laut statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2012 6,5% aller Unfälle unter Alkoholeinfluss mit einem Blutalkoholgehalt unter 0,5 Promille verursacht. Nicht unterschieden wird jedoch, welche Folgen die Unfälle mit diesem Wert hatten. Der größte Teil der Unfälle wurde mit einem Blutalkohol von 0,8-2,5 Promille verursacht (77,4%). Das bedeutet, diejenigen Autofahrer, welche die überwiegenden Unfälle unter Alkohol verursachen, halten sich schon an die jetzige Regelung nicht.

Der Link zur Statistik (PDF): https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/TransportVerkehr/Verkehrsunfaelle/UnfaelleAlkohol5462404127004.pdf?__blob=publicationFile

Die nächste Frage, die ich mir stelle: Ist das vielleicht ein erster Schritt, den Alkoholkonsum grundsätzlich gesellschaftlich zu dämonisieren? Mit der Tabakzigarette haben die Grünen/Bündnis’90 in Kooperation mit einigen Instituten bereits Erfolg gehabt. Kommen vielleicht bald amerikanische Zustände auf uns zu, dass man sein Bier nur noch in Papiertüten trinken kann? Oder gilt bald der Alkohol nur noch als Laster der Unterklasse?

Endlich sind wir wieder Fussball-Weltmeister

Unsere Jungs um Jogi Löw haben es nun endlich wieder geschafft. Sie dürfen ab sofort den 4. Stern auf dem Nationaltrikot tragen und ziehen so mit Italien gleich. Unsere Natioanlelf hat es verdient – und das sage ich als einer der wenigen, die sich kein einziges Spiel dieser WM angesehen haben. Desinteresse? Keine Zeit? Nein. Weil es in Brasilien stattgefunden hat, einem für mich sozial unverträglichen Standort.

Schon immer hat es mich gestört, wenn vorhandene Ressourcen nicht genutzt werden. Noch mehr befremdet es mich, wenn neue Stadien erbaut werden, um diese anschließend verrotten (so auch in Südafrika) oder wieder abreißen zu lassen. Wir sprechen bei solchen Bauten nicht von Provisorien wie z.B. ein Zelt – es handelt sich um Stadien, gebaut nach modernsten Standards, die entsprechende Kosten im Bau verursachen. Diese Kosten trägt jedoch nicht nur der Ausrichter FIFA, sondern zum großen Teil das Land, in dem die Weltmeisterschaft ausgetragen wird.

Dem Land Brasilien wurde eine utopische Summe durch die FIFA vorgerechnet, was dieses Land an finanziellen Einnahmen bekäme. Das Gegenteil ist eingetreten. Statt seinen Staatshaushalt zu sanieren, hat Brasilien sogar noch Geld hinzugegeben. Die eigentlichen Gewinner sind die FIFA, die Unternehmen, die mit dem Bau der Stadien und Infrastruktur beauftragt wurden und die Sponsoren.

Verloren hat vor allem die Bevölkerung: Sie wurde bereits im Vorfeld WM-erträglich “diszipliniert”, es steht noch weniger Geld für soziale Projekte zur Verfügung, sie musste zum Teil umgesiedelt werden. Bürger, die sich lebenslange Sitzrechte in durch sie renovierte Stadien erarbeitet haben, verlieren ihre Platzrechte, damit die FIFA diese Plätze für viel Geld vermieten kann.

Nun heißt es, dass Brasilien ein fussball-begeistertes Land sei und es wichtig sei, in einem solchen eine WM auszutragen. Dem stimme ich zu. Nur wurde der überwiegende Teil der fussball-begeisterten Bevölkerung ausgeschlossen, weil diese sich Karten für die Stadien gar nicht leisten konnten. Die WM im eigenen Land und doch vor den Fernseher verbannt, weil die Karten zu teuer sind und nur für die kleine Mittelschicht und noch kleinere Oberschicht zu haben waren – und natürlich die finanzkräftigen ausländischen Fans.

Die nächste Weltmeisterschaft findet in Russland statt und die darauffolgende (nach aktuellem Stand) in Katar. Leider 2 weitere Weltmeisterschaften, die ich mir nicht ansehen werde – leider! Ich würde mich vor einer Nationalelf verneigen, die irgendwann mal die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft verweigert aufgrund der gesellschaftlichen Probleme am Teilnahmeort.

Wann begreifen Politiker, dass nicht das eigene Prestige der Auftrag ist, sondern im Sinne seines Landes und dessen Bevölkerung zu handeln?

Warum thematisiere ich die WM erst jetzt? Weil ich niemandem die WM verderben wollte und eigentlich jeder weiß, wie die Umstände in Brasilien sind. Leider wird das in der Euphorie gerne vergessen oder bewußt zur Seite geschoben. Da helfen aber auch keine Pseudospenden an Hilfsorganisationen, um das eigene Gewissen zu beruhigen.

Offener Brief an Frau Dr. Martina Pötschke-Langer

Es gibt wahrlich nur wenige Blogs, die mich beeindrucken – meiner am allerwenigsten! Der folgende Blogbeitrag jedoch ist an Sachlichkeit und Wahrheit kaum zu übertreffen – gefunden auf Grieshaber’s Wirtschaftsdialog. Ich bedanke mich bei dem Autoren, den Blogbeitrag hier im Original teilen zu dürfen!

Auch Nichtakademikern wird hier mit klaren Worten verdeutlicht, wie Menschen die Wahrheit verbiegen, um ihr Ziel zu erreichen. Das schlimme ist, dass selbst Träger des Bundesverdienstkreuzes, wie Frau (Dr.) Pötschke-Langer, sich dieses Mittels bedienen. Und noch schlimmer ist, dass diese Personen einen gesellschaftlichen Rang bekleiden, der sie kaum in Frage stellt.

Der Brief:

Sehr geehrte Frau Kollegin,

Sie und mich verbindet mehr, als man auf den ersten Blick glauben sollte. Dazu zählt nicht nur die räumliche Nähe von Leimen und Heidelberg. Wir gehören auch in etwa derselben Generation an, und nur noch ein paar Jahre, dann treten auch Sie in den Ruhestand ein, so wie ich vor wenigen Jahren. Dass aber mich, den lebenslangen Nichtraucher, mit Ihnen, der Ex-Raucherin, ausgerechnet das Rauchen einmal in solchem Maße verbinden – in Gegnerschaft verbinden – würde, wie es in den letzten Jahren der Fall gewesen ist, hätte ich mir wahrhaftig nicht träumen lassen. Gestatten Sie mir, ein weiteres Mal auf dem Weg eines offenen Briefes mit Ihnen in Verbindung zu treten, auch wenn diese Verbindung vermutlich einseitig bleiben wird. Was ich mich nämlich frage: Wie viel von dem, was Sie öffentlich vertreten, glauben Sie eigentlich selbst auch noch nach Feierabend? Und wie viel davon würden Sie auch dann vertreten, wenn Sie damit in Medien und Gesellschaft auf stärkeren Widerspruch stoßen würden?

Von einigen Ihrer bekanntesten Verlautbarungen bin ich sicher, dass Sie selbst sie nicht glauben. Das gilt etwa für das Umfrageergebnis, das Sie jüngst in den Medien lanciert haben. „Vier von fünf Deutschen stimmen für konsequenten Nichtraucherschutz“, behauptete Ihre Pressemitteilung in der Überschrift. Die Medien übersetzten sich das dann so: „Laut Umfrage 80 Prozent für striktes Rauchverbot in Kneipen“. Das schreiben Sie so zwar in der Pressemitteilung nirgends, aber diese Übersetzung liegt nahe, denn als „konsequenter Nichtraucherschutz“ wurde seinerzeit in Bayern ein ausnahmsloses Rauchverbot propagiert. Näher betrachtet hatten die Befragten sich allerdings lediglich für eine der folgenden beiden Wahlmöglichkeiten zu entscheiden:

•          Grundsätzlich begrüße ich ein Rauchverbot in Gaststätten.

•          Ich lehne ein Rauchverbot in Gaststätten grundsätzlich ab.

Es geht hier also weder speziell um Kneipen, noch lässt sich sagen, wie die Befragten speziell zum Rauchen in Kneipen stehen. Wer zu dieser Frage „Nein“ sagt, der hält, nimmt man an, dass mit den beiden Fragen das komplette Spektrum möglicher Antworten abgedeckt sein soll, Rauchverbote vielmehr ausnahmslos und in allen Arten von Gaststätten von vornherein für falsch. Was aber der meint, der „Ja“ gesagt hat, lässt sich nicht sicher sagen.

Natürlich ist die Sache in Wirklichkeit aber sogar noch komplizierter. Die beiden Fragen lassen so viel Spielraum für Interpretationen (auch bei den Callcenter-Leuten, die Anrufern die Frage stellen und alleine schon durch ihre Betonung eine bestimmte Bedeutung suggerieren können), dass man in Wirklichkeit auch bei der Antwort „Nein“ nicht sicher sagen kann, was derjenige meinte, der sie gegeben hat. Mit anderen Worten: Die Ergebnisse dieser Umfrage sagen tatsächlich überhaupt nichts aus. Nach einer Umfrage von infratest dimap, die jüngst im Handelsblatt zitiert wurde, lehnen aber jedenfalls in NRW mehr als die Hälfte der Befragten das dortige ausnahmslose Rauchverbot ab, während nur 38 Prozent es befürworten. Dies lässt ahnen, dass es um die Zustimmung zu Totalrauchverboten in der Gastronomie in Wirklichkeit ganz anders bestellt ist, als es die Medien auf Basis Ihrer suggestiv formulierten Pressemitteilung behaupten.

Ich schaue mir dieses Spiel jetzt ja schon ein paar Jahre lang an, denn der Zweiseiter aus Ihrem Hause mit den Ergebnissen dieser Umfrage erscheint in jährlichem Rhythmus. Da Sie den ebenfalls jedes Jahr wiederholten und jedes Mal unweigerlich falschen medialen Interpretation des Inhalts der Fragestellung nie widersprochen und auch Ihre eigene Wortwahl nicht verändert haben, um künftig nicht mehr missverstanden zu werden, liegt die Vermutung nahe, dass solche Missverständnisse von Ihrer Seite her ausdrücklich erwünscht sind. Die Mehrheit der Leser solcher Meldungen, die ein ausnahmsloses Rauchverbot in der Gastronomie höchstwahrscheinlich ablehnt oder wenigstens für überflüssig hält, soll offenbar glauben, dass sie mit ihrer Meinung in der Minderheit sei. Dass die Meinung der Mehrheit eine Sogwirkung ausübt, ist Werbestrategen spätestens seit den Zeiten Edward Bernays‘ – Neffe von Sigmund Freud und unfreiwilliger Inspirator von Joseph Goebbels – bekannt. Wie man der in der Tat zu beobachtenden Zunahme der „grundsätzlichen“ Zustimmung zu Rauchverboten in der Gastronomie entnehmen kann, funktioniert diese Methode der Meinungsmanipulation bis heute noch ganz ausgezeichnet.

Haben Sie sich eigentlich jemals gefragt, was es für den tatsächlichen Wert der Sache bedeutet, die Sie vertreten, wenn es solcher machiavellistischen Winkelzüge bedarf, um sie erfolgreich öffentlich vertreten zu können? Hand aufs Herz: Beschleichen Sie nicht doch manchmal selbst leise Zweifel daran, ob Sie auf der richtigen Seite stehen? Wenn ich versuche, nachzuvollziehen, was Sie antreibt, und dabei all die profanen Gründe ausklammere, die dabei auch in Frage kommen oder nebenbei eine Rolle spielen könnten – Ihre herausgehobene Stellung als Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums, dass Sie für das, was Sie tun, gut bezahlt werden und vielleicht ja auch noch weitere Vergünstigungen genießen und so weiter –, dann fällt es mir eigentlich ja gar nicht schwer zu begreifen, wie Sie in Ihre derzeitige Rolle hineingeraten sind. Bei dem Kampf gegen das Rauchen geht es ja um ein Ziel, das jedem anständigen Mediziner am Herzen liegen muss: Möglichst viele Menschen vor schweren und oft tödlichen Erkrankungen zu bewahren.

Verloren haben Sie mein Verständnis aber in dem Moment, als Sie der Versuchung nicht widerstanden haben, die Manipulation von Ergebnissen als vermeintlich gerechtfertigtes Mittel einzusetzen, um das so wichtige Ziel nicht zu gefährden. Auch die Versuchung kann ich dabei noch nachvollziehen. Wem, fragt sich bestimmt der eine oder andere, wird denn Schaden zugefügt durch die Suggestion, es gäbe eine viel größere Zustimmung zu ausnahmslosen Rauchverboten in der Bevölkerung, als es den Tatsachen entspricht? Aber die Täuschung in diesem Fall ist erstens kein Einzelfall, sondern dieses Vorgehen hat bei Ihnen seit vielen Jahren Methode. Zweitens bedeutet es, dass Sie die unmanipulierten Argumente für Ihre Sache offenbar selbst nicht für überzeugend halten. Die Beugung wissenschaftlicher Methoden und/oder deren wissentliche Fehlinterpretation ist drittens nicht nur eine Entwertung wissenschaftlicher Redlichkeit und Freiheit, ihr Ergebnis besteht zwangsläufig in einem Abdriften in die Unwissenschaftlichkeit. Und die gefährdet das angestrebte Ziel. Es muss letztlich auch Ihnen klar sein, dass Sie auf diese Weise nur Potemkinsche Dörfer der Epidemiologie bauen. Dass die gesundheitspolitischen Erfolge, die Sie der Öffentlichkeit verkünden, in Wirklichkeit gar keine sind, ist Ihnen sicherlich ebenso gut bewusst wie mir. Ein Erfolg tritt dann ein, wenn eine Maßnahme von einem Rückgang der Erkrankungshäufigkeit gefolgt wird. Diesen Rückgang nur vorzutäuschen, wie im Fall der Herzinfarktwunder, beeindruckt vielleicht Politik und Öffentlichkeit, aber auf einen wirklichen gesundheitlichen Nutzen, mit dem Sie sich am Ende vor sich selbst rechtfertigen könnten, warten Sie in Wirklichkeit doch immer noch. Fragen Sie sich zuweilen vielleicht sogar, ob er wirklich noch kommen wird?

Er wird nicht kommen, da bin ich ziemlich sicher. Welche Folgen auch immer das aktive Rauchen für sich alleine haben mag, Sie sorgen ja selbst aktiv dafür, dass sich, je mehr Raucher drangsaliert werden, die Folgen für ihre Gesundheit noch weiter verschlimmern müssen. Das aber ist dann nicht mehr die Schuld von Philip Morris  – Sie sind dafür hauptverantwortlich. Und wie positiv die gesundheitliche Wirkung des Rauchstopps tatsächlich ausfällt, die man dem gegenüberstellen könnte, müsste man aus all diesem Wust von Marketing-„Wahrheiten“, die in Wirklichkeit gar keine sind, erst einmal herausklauben. Gesundheitlicher Nutzen Ihrer Aktivitäten minus deren gesundheitlicher Schaden: Was mag dabei herauskommen? Solange niemand das untersucht, muss die Frage offen bleiben, aber ich tippe im allergünstigsten Fall höchstens auf ein Nullsummenspiel. Die Folgen Ihres Kampfs gegen die E-Zigaretten wären wiederum ausgerechnet dann, wenn Sie beim aktiven Rauchen mit jedem einzelnen Wort recht behalten würden, geradezu als verheerend zu bezeichnen.

Dass Sie der Politik suggerieren, es ließen sich durch die von Ihnen angestrebten Maßnahmen, wenigstens mittelfristig, Gesundheitskosten sparen, ist dagegen nicht nur fraglich, sondern eine glatte Lüge. Sie und ich wissen genau, dass die Gesundheitskosten in den nächsten zwanzig, dreißig Jahren in jedem Fall erheblich steigen werden, und das ganz unabhängig vom Rauchen: durch die alternde Bevölkerung. Aber davon einmal abgesehen sind die Gesundheitskosten in den „fortgeschrittenen“ Antirauchernationen im Vergleich zu den unseren keineswegs in geringerem Maße angestiegen oder gar gesunken. In den USA gab es sogar parallel zum Rückgang des Bevölkerungsanteils der Raucher einen besonders hohen Anstieg der Gesundheitskosten. Was, wenn dies bei uns mit zunehmendem Fortschritt im Kampf gegen das Rauchen ebenfalls geschieht?

Die Unterstützung der Öffentlichkeit haben Sie sich gesichert, indem Sie die nichtrauchende Mehrheit gegen die rauchende Minderheit aufgehetzt haben. Diese Strategie trägt unbekömmliche Früchte, das lässt sich in den Kommentarbereichen jeder x-beliebigen Zeitung nachlesen. Dass Sie sich dabei strikt an eine emotionsfreie „wissenschaftliche“ Sprachregelung halten, kann nicht verbergen, dass die angestrebte Wirkung darin besteht, bei Lesern Emotionen zu erzeugen. Natürlich haben Sie beispielsweise selbst noch niemals gesagt: „Raucher raus aus allen Mietwohnungen!“ Sie sagen stattdessen Dinge wie: „Rauchen in Mietwohnungen ist generell ein Problem, durch ein solches Urteil können Wohnungsnachbarn besser geschützt werden.“ Es sind die Leser, die sich das dann als: „Raucher raus aus allen Mietwohnungen!“ übersetzen. Entsprechendes gilt für Aussagen, in denen Rauchern in derselben roboterhaften, vorgeblich neutralen Sprache ihre angeblichen Produktivitätsausfälle (der Leser übersetzt: „Raucher raus aus meinem Betrieb!“) oder ihre Krankheitskosten (der Leser übersetzt: „Raucher raus aus der Krankenversicherung!“) vorgerechnet werden. Es bedarf keiner wertenden Sprache, denn die Wertung liegt im Inhalt der Aussage.

Die Leser verstehen bei der Deutung Ihrer Wertung offensichtlich auch nichts falsch, denn bis heute habe ich noch nicht ein einziges Mal erlebt, dass Sie versucht hätten, eine solche Wiedergabe als Missverständnis richtigzustellen, auch dann nicht, wenn sie in menschenverachtendes Vokabular und menschenverachtende Forderungen entgleiste. Ihr Schweigen werte ich als stillschweigende Billigung solcher Äußerungen. Wenn aber Raucher in Mietshäusern „generell ein Problem“ sein sollen, sollten Sie außerdem die Katze schon aus dem Sack lassen und verraten, wie denn Lösungsvorschläge für dieses Problem Ihrer Vorstellung nach aussehen müssten. Würden Sie es denn begrüßen, wenn Raucher vor die Wahl Rauchen oder Obdach gestellt werden, wie dies in manchen Ländern bereits praktiziert wird? Und wie lauten Ihre Empfehlungen für den Umgang mit denjenigen Rauchern, die sich dann für das Rauchen entscheiden oder beim heimlichen Rauchen in ihrer Wohnung ertappt werden?

Sie beteiligen sich seit etlichen Jahren aktiv und systematisch an einer sozialen Spaltung der Gesellschaft mit dem Ziel einer Ächtung der Raucher, und das sehr erfolgreich, denn diese ist in einem Ausmaß fortgeschritten, wie es sich noch 2005, dem Jahr, als Sie die 3301 Passivrauchtoten verkündet haben, niemand hätte vorstellen können. Ich möchte Ihnen gerne glauben, dass Sie das einmal aus aufrichtiger Überzeugung, der Gesellschaft damit Gutes zu tun, begonnen haben. Glauben Sie aber auch im Jahre 2013 immer noch daran, dass Sie damit auf dem richtigen Weg sind, um die Menschen gesünder zu machen, oder müssen Sie manchmal nicht doch gegen ungute Gefühle ankämpfen? Haben Sie dabei vielleicht gar das Gefühl, Sie könnten es sich gar nicht erlauben, unguten Gefühlen nachzugeben? Weil, wer A gesagt hat, ja auch B sagen müsse?

Sie wissen ja sehr genau, wie ich selbst samt meinen Mitarbeitern ins Fadenkreuz geraten bin, als die Ergebnisse unserer Forschung – noch dazu der für Deutschland größten und aussagefähigsten tabakassoziierten Studie überhaupt –, eine wissenschaftliche Grundlage für die von Ihnen geforderte rigide Verbotspolitik beim besten Willen nicht hergaben und damit nicht zu den Brauchbarkeitskriterien der WHO im Kampf gegen den Tabak passen wollten. Da unsere Forschung noch dazu unabhängig war und von dem sonst so wirkungsvollen Mittel einer Steuerung des Flusses von Fördergeldern weder beeinflusst noch ausgebremst werden konnte, fielen wir dem wissenschaftlichen Bann und der Ächtung der UNO/WHO anheim, sekundiert von verschiedenen medizinischen Fachverbänden und Gruppierungen, die von der Gegnerschaft zur Tabakwirtschaft ganz gut leben und offensichtlich nicht die Absicht haben, sich von irgendjemandem die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Dabei hatten wir nur Fakten und Messergebnisse vorgetragen.

Genau das scheint der Apparat, dem Sie angehören, aber wie der Teufel das Weihwasser zu fürchten, denn alle publizierten Ergebnisse müssen offenbar unbedingt zu denen passen, die auf Basis der mathematischen Modelle bisheriger WHO-Epidemiologie errechnet wurden. Zu den Merkwürdigkeiten der heutigen Forschung, die mir in diesem Zusammenhang auffielen, gehört nämlich, dass zum Beispiel gerade die größte Datensammlung zur Kindergesundheit in Deutschland (KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts) zwar auch eine akribische Auswertung über die Passivrauchbelastung von Kindern enthält, die von überdurchschnittlicher Qualität im Vergleich zu den meisten sogenannten Studien ist, da sie nicht nur auf reinen Befragungen der Eltern oder der Kinder basieren, sondern auch auf den Cotininwerten der Kinder. Die als vermeintlich bewiesene Tatsache postulierte höhere Erkrankungswahrscheinlichkeit von Kindern in Raucherhaushalten hätte damit einen qualitativ einwandfreien Nachweis finden können. Nur wurde dies merkwürdigerweise gar nicht ausgewertet; jedenfalls gibt es dazu keine Publikation.

Ähnliches lässt sich auch für die DEGS-Studie aus demselben Hause sagen, in der die Gesundheit der Erwachsenen unter die Lupe genommen wurde. Alle möglichen Aspekte der Gesundheit, die man sich nur vorstellen kann, sind dabei Gegenstand von Untersuchungen gewesen, von der Allergie bis zur Depression und vom Schlaganfall über Herzinfarkt bis Diabetes. Ebenso war auch das Rauchverhalten ein offenbar so wichtiges Thema, dass ihm eine eigene Teilpublikation gewidmet wurde. Was aber auffallenderweise bei den einzelnen ausgewerteten Erkrankungsarten durchweg fehlt, ist der Rauchstatus. An fehlenden Daten kann dies kaum gelegen haben. Haben Sie irgendeine Erklärung dafür, warum ausgerechnet so naheliegende Auswertungen unterblieben sind? Ich jedenfalls habe den Verdacht, dass deren Ergebnisse nur schlecht zu Ihren eigenen Ergebnissen gepasst hätten und deshalb für nicht publikationstauglich befunden wurden. Das aber führt wieder zu der Frage zurück, welcher gesundheitspolitische Gegenwert dem angestrengten Ignorieren unliebsamer wissenschaftlicher Erkenntnisse eigentlich gegenübersteht.

Es mag sein, dass Raucher früher sterben, wenn das auch nicht unter allen Rahmenbedingungen zuzutreffen scheint, dies jedenfalls deuten unsere Forschungen unter den Kellnern an. Aber leben die Nichtraucher, die dank Ihrer Bemühungen das Rauchen nie angefangen haben, oder die Ex-Raucher, die dank Ihrer Bemühungen das Rauchen wieder aufgegeben haben, wirklich länger und/oder in besserer Lebensqualität? Parallel zu dem Rückgang des Bevölkerungsanteils der Raucher nimmt schließlich der Konsum anderer, nicht weniger bedenklicher Substanzen (Designerdrogen, Ritalin, Antidepressiva) und ebenso die Entwicklung von riskanten Verhaltensweisen mit Suchtcharakter zu (exzessiver Ausdauersport, exzessive Arbeitsbelastung). Es wäre fahrlässig, die Faktoren, die hier eine Rolle spielen, von den zahllosen anderen Risikofaktoren bis zu den genetischen Prägungen, die unser Leben begrenzen, einfach unter den Tisch fallen zu lassen, nur weil mit dem Rauchen ein so bequemer Sündenbock gefunden wurde.

Dass Sie Ihre Rolle als Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle als einer nicht wissenschaftlich, sondern politisch mit dem Ziel der Beeinflussung von Politik, Medien und Öffentlichkeit arbeitenden Institution vorbildlich im Sinne Ihrer Auftraggeber ausgefüllt haben, ist angesichts des momentanen Stands bei Gesetzgebung, Rechtsprechung und öffentlicher Meinung offensichtlich. Dies alles betrifft aber längst nicht mehr nur die Raucher. Die Verfahren und Strategien, die im Kampf gegen die Raucher und die Tabakindustrie so erfolgreich umgesetzt wurden, werden ja längst auch auf Alkohol, Lebensmittel und andere Genussmittel übertragen. Die WHO-Doktrin zum Alkohol wollte aber einer Ihrer Mitstreiter gegen das Rauchen, Professor Keil aus Münster, dann schon nicht mehr mittragen.

Sie hingegen scheinen weniger Berührungsängste zu haben. Schaut man auf das Programm der im Dezember anstehenden Konferenz für Tabakkontrolle, findet man auch folgenden Programmpunkt: „10 Jahre Tabakrahmenkonvention, 5 Jahre Aktionsplan Übergewicht – Was ist übertragbar?“ Darunter werden zum Beispiel Vorträge angekündigt mit dem Titel: „Regularien am Beispiel Lebensmittelsteuer „gegen“ Übergewicht und Tabaksteuer und Rauchverhalten“ oder „Individuelle und gesellschaftliche Verantwortung am Beispiel Adipositas“.

So, wie es aussieht, sind Sie also sogar schon mittendrin in der Organisation der wissenschaftlichen Grundlage für eine spätere Hexenjagd auf Übergewichtige. Und die trifft Sie und mich möglicherweise eines Tages auch persönlich – eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Ihnen und mir. Wenn wir uns dann beide im Lager der Verfolgten und Diskriminierten wiederfinden, wie gehen wir damit dann um? Sollen wir dann das Rauchen anfangen , um dem Idealgewicht näherzukommen? Oder sollen wir uns gar zusammentun und versuchen, gemeinsam, zum Beispiel mit Verweis auf das “Adipositas-Paradoxon“, das uns ja zu einer Lebenserwartung verhelfen kann, die diejenige von Normalgewichtigen übertrifft, die Lehrmeinung anzugreifen, die uns mit aller Gewalt von einer Sache heilen will, die in Wirklichkeit einen Überlebensvorteil bietet?

Sie sollten einmal ernsthaft mit sich zu Rate gehen, ob Sie für die längerfristigen gesundheitspolitischen Konsequenzen Ihres beruflichen Wirkens wirklich die Verantwortung tragen wollen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Man macht sich sein Leben wahrhaftig nicht einfacher, wenn man sich weigert, die Wahrheit nach momentaner Opportunität zu verbiegen. Aber letztlich schläft man doch sehr viel besser. Und wie schon Bertolt Brecht wusste: Wer A sagt, der muss nicht B sagen. Er kann auch erkennen, dass A falsch war.

Mit kollegialen Grüßen

Prof. Dr. med. Romano Grieshaber

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Anmerkung von mir selbst:

Eine weitere Glanzleistung der unwissenschaftlichen Vorgehensweise von Frau Dr. Pötschke-Langer findet sich in diesem Dokument:

http://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/Stellungnahmen/DKFZ_Stellungnahme_E-Zigarette_2014.pdf

Der Biergarten und die E-Zigarette

Max Liebermann [Public domain], via Wikimedia Commons

Max Liebermann [Public domain], via Wikimedia Commons

Heute war ein langer Tag. Wir hatten 29°C Außentemperatur (endlich mal wieder!) und ich war auf der Suche nach einem Gebrauchtwagen. Mein eigener Wagen hatte letztes Jahr im Dezember nach 620.000 Kilometer nicht mehr gewollt und ich bin seit dem den Mietwagen meiner Frau gefahren.

Nun – meine Frau hat sich zwischenzeitlich ein eigenes Auto gekauft und ich saß jetzt da und fuhr eine kleine (wenn auch feine) Möhre, die mich fast 600 Euro im Monat kostet. Viel Geld will ich nicht anlegen, so dass ich erstmal die typischen Portale abgeklappert habe. Diese warfen mir sogar recht schicke Autos aus und ich dachte: “Komm’, nimm direkt eines aus der oberen Range deiner Preisvorstellung und das wird dann schon was sein!”.

Gesagt, getan! Wir fuhren 70 Kilometer um festzustellen, dass der angebotene Wagen zwar bestens feil geboten wurde, bei näherer Hinsicht nicht nur optisch auseinander fiel. Du fragst dich jetzt, was das mit der E-Zigarette zu tun hat…..das kommt später!

Völlig enttäuscht fuhren wir also ohne neues Auto für mich zurück und durch ein Dorf, das 5 Kilometer von unserem Heim entfernt liegt. An einer Tankstelle stand ein Ford Mondeo zum Verkauf, der preislich meiner Vorstellung entsprach und sogar nach der Probefahrt hält, was er verspricht! Was lerne ich daraus: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Glück doch so nah ist?!

Auf dieses Glück hin entschieden meine Frau und ich uns, in den nächsten uns bekannten Biergarten zu gehen. Es waren immer noch 26°C. Wir saßen dort – es war voll(!) – bestellten unser Essen und unser Bier und ich nutzte genüßlich meine E-Zigarette. Ein älteres Paar kam an unseren Tisch und setzte sich dazu, um dann aber wieder zu verschwinden, als meine Frau ihre Zigaretten auspackte. Tja, auch wenn es Raucherräume gibt (so die Aussage der Frau dieses Paares), geht die Diskriminierung der Raucher glücklicherweise nicht so weit, dass wir (Entschuldigung: DIE – ich rauche ja nicht mehr) auch draußen nicht mehr rauchen dürfen.

Dafür erntete ich merkwürdige Blicke dummer Gesichter, wenn ich an meiner E-Zigarette zog. Das ist nicht übertrieben – manche Leute sind nicht nur dumm, sondern schaffen es auch, dies optisch gut zu zeigen! Und das lag nicht nur an dem gräßlichen Modegeschmack, der sich in einem ausgewaschenen lilafarbenen Kleid äußerte. Mir war es egal und meine Frau lächelte sehr charmant in die dummen Gesichter zurück. Aber keiner traute sich, mich anzusprechen. Dumm und geringes Selbstbewußtsein ist eine gefährliche Mischung!

Schweizer befürchten spontanen Anstieg der Einwanderung

By Simplon2010 (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

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In der Schweiz wurden mehrere Volksabstimmungen abgehalten. Eine davon war die Festlegung des Mindestlohns in Höhe von 18,50 Euro pro Stunde (22 Franken)! 77% der Wähler entschieden sich gegen den Mindestlohn, welcher der höchste weltweit gewesen wäre. Haben die Eidgenossen etwa Angst vor einem spontanen Anstieg der Einwanderung aus allen Teilen der Welt? Oder haben sie tatsächlich Vernunft walten lassen?

Ein solcher Mindestlohn wäre meiner Ansicht nach tatsächlich der Todesstoß für die Schweizer Wirtschaft gewesen, so schön es sich auch anhört, soviel verdienen zu können. Mit einem Anstieg des Mindestlohns würden zwangsläufig auch die bereits jetzt schon hohen Lebenshaltungskosten steigen, denn die Wirtschaft muss solche Löhne finanzieren können und das würde nicht altruistisch aus dem eigenen Säcklein geschehen.

Könnten die schweizer Bürger sich dies ggf. leisten bei dem höheren Verdienst, so die Menschen, die die Schweiz als Urlaubsland nutzen, wohl eher nicht. Der Tourismus würde wegbrechen, weil sich niemand mehr die Preise in der Schweiz leisten könnte – außer die Schweizer selbst und die gut betuchten Nicht-Schweizer. Aber nur, weil sich einige einen teuren Urlaub in der Schweiz leisten könnten, bedeutet dies nicht, dass sie sich das auch leisten wollen.

Von daher sicherlich eine weise Entscheidung, die zwar vordergründig eine wirtschaftsfreundliche ist, aber wohl auch eine existentielle für alle Schweizer.

Die Schweiz ist übrigens eines der wenigen Länder, in denen wichtige Entscheidungen per Volksentscheid getroffen werden. Die Eidgenossen sind ein gutes Beispiel dafür, dass Volksentscheide mit Vernunft benutzt werden. Wünschenswert wäre dieses Vorgehen auch bei uns in Deutschland.